Das Klischee vermeiden

Seit den Anschlägen vom 11. September steht bei dem New Yorker Schauspieler Omar Metwally sein arabisches Aussehen im Vordergrund. Gleich mehrmals hat er seit damals den „bad arab“, den „bösen Araber“, gemimt

Omar Metwally, 32 Jahre alt, ist Schauspieler in New York. Mein Vater ist Ägypter, meine Mutter Holländerin, zur Welt gekommen bin ich in den USA, also bin ich Amerikaner. New Yorker, um genau zu sein. Mein arabisches Aussehen steht im Vordergrund seit den Anschlägen vom 11. September, gerade, was meine Arbeit als Schauspieler betrifft. Gleich mehrmals habe ich seit damals den „bad arab“, den „bösen Araber“, gemimt.
Zum Beispiel 2004 in dem Stück „Sixteen wounded“ am Broadway, ich spielte einen Selbstmordattentäter. Als ich das Skript las, dachte ich zuerst: nicht schon wieder einen arabischen Terroristen. Doch die Rolle war sehr komplex. Dieser Mann kam aus dem Gazastreifen. Den Vater hatte die israelische Armee umgebracht. Das Leben unter der Besatzung hatte diesen Charakter geprägt. Das versuchte ich mir vorzustellen: dieses Gefühl, diesen Zorn, diese Frustration. Du willst als Schauspieler schließlich glaubhaft wirken, willst etwas von dieser Person rüberbringen. Manche Schauspieler sagen von sich, dass sie vollkommen in ihren Rollen aufgehen. Ich arbeite nicht so. Ich vergesse nie, dass ich ein Darsteller bin. Mein Anspruch ist es, das Klischee zu vermeiden.

Gründe für die Gewalt verstehen

Wenn ich eine Rolle auswähle, muss der Charakter dreidimensional sein. Diese einfachen Gut-oder-böse-Geschichten mag ich nicht. Ich will keine flache Festlegung. Zwar werde ich niemals versuchen Akte der Gewalt zu rechtfertigen. Aber es ist wichtig, die Gründe zu verstehen, die Gewalt hervorbringen.
Nach dieser Rolle in „Sixteen wounded“ wurde ich für „München“ gecastet, den neuen Film von Steven Spielberg. Ich spiele Ali, einen PLO-Anführer. Ali kommt in ein Haus mit Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad, die vorgeben, ganz jemand anderes zu sein. Ich rede mit dem Mossad-Anführer über das Recht der Palästinenser auf eine Heimat. Ein Dialog zwischen zwei Menschen, die eigentlich Todfeinde sind. Diese Szene berührt wirklich das Herz des Konfliktes in Israel-Palästina, und für mich war es erregend, in dieser Rolle politische Ideen auf eine persönliche Art ausdrücken zu können.
Jetzt aber stehe ich vor der Herausforderung, Rollen zu finden, die nichts mit politischem Kampf, Krieg und Terrorismus zu tun haben. Ich denke, es ist wichtig für die Amerikaner, Araber außerhalb dieses Kontextes zu sehen, als ganz gewöhnliche Leute, die ihr Leben leben und Träume haben. Ich möchte allmählich auch wieder andere Rollen spielen. Eine richtige Komödie zum Beispiel würde mich jetzt reizen.

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